
Bei Lymphödemen handelt es sich in erster Linie um eine Rückflusserkrankung. Sofern das venöse Gefäßsystem das angebotene arterielle Blut nicht in gleicher Menge und Geschwindigkeit zum Herzen zurück transportieren kann, tritt Wasser aus dem Blut in das umliegende Gewebe über. Dabei entsteht im Gewebe ein Ödem (von altgriechisch oedema = Schwellung). Das Lymphgefäßsystem kann bei gesunden Menschen dieses Gewebewasser aufnehmen und zurück in das venöse Blut transportieren. Wenn diese Transportfunktion unzureichend arbeitet, spricht man vom Lymphödem. Durch angeborene Fehlbildungen des Lymphgefäßsystems entstehen dabei primäre Lymphödeme, durch operative Maßnahmen wie z. B. Lymphknotenentfernungen im Zusammenhang mit Tumorerkrankungen, Bestrahlungen, Chemotherapien, chronische Krampfaderleiden mit Ulcus curis (offenes Bein), größere Verletzungen mit langwierigen Heilungsprozessen, aber auch durch wiederkehrende Entzündungen (u. a. Erysipele), können sekundäre Lymphödeme entstehen.
Auch Menschen mit einer schmerzhaften Lipödemerkrankung haben oftmals ein begleitendes, häufig Adipositas-assoziiertes Lymphödem. Dieses Lymphödem steht in keinem Zusammenhang mit der Lipödemerkrankung und bessert sich häufig durch eine Ernährungsumstellung mit anschließender Gewichtsreduktion. Dennoch profitieren Lipödemerkrankte, wie auch Lymphödemerkrankte von einer komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE) in der Phase I, wobei die Lymphödemerkrankten häufig eine Volumenreduktion erreichen, sich hingegen bei der Lipödemerkrankung die Schmerzen bessern lassen. Eine Ödemreduktion ist beim Lipödem in der Regel nicht zu erwarten. Bei beiden Krankheitsbildern zeigt sich häufig eine Besserung der Funktion und Beweglichkeit der betroffenen Extremitäten.

